Grenzenlos stolz – Nie wieder still: Unser 2. CSD in Bocholt

Am Samstag, dem 22. August 2026, war Bocholt erneut bunt, laut und solidarisch: Über 700 Menschen zogen bei unserer „Parade der Vielfalt“ durch die Bocholter Innenstadt. Bei der Ankunft auf dem Sankt-Georg-Platz zum “Fest der Vielfalt” wurden sie von vielen weiteren Menschen empfangen. Gemeinsam haben wir ein deutliches Zeichen gesetzt: Grenzenlos stolz – nie wieder still.

Unser zweiter CSD in Bocholt war dabei mehr als ein Fest. Sowohl die Parade als auch das anschließende Fest waren Teil unserer Demonstration für die Rechte und Sichtbarkeit queerer Menschen. Trotz der zunächst eher durchwachsenen Wetterprognosen fanden zahlreiche Menschen den Weg zu unserem CSD. Die Stimmung war von Anfang bis Ende geprägt von Freude, Zusammenhalt und Solidarität. Größere Zwischenfälle gab es nicht, stattdessen erlebten wir einen friedlichen und vielfältigen Tag.

„Jetzt erst recht“

Los ging es auf dem Berliner Platz. Bereits bei der Parade der Vielfalt wurde deutlich, welche Botschaft uns an diesem Tag besonders wichtig war. Die Eröffnungsreden hielten Christian Mangen, Thorsten Jansen und Niklas Kaiser. In den Reden wurde direkten Bezug auf den Anschlag auf den CSD in Berlin genommen.

Die Ereignisse in Berlin haben uns tief bewegt. Gleichzeitig haben sie uns darin bestärkt, nicht leiser zu werden, sondern noch deutlicher für eine offene und vielfältige Gesellschaft einzustehen. Die Reden vor dem Start des Umzugs waren deshalb geprägt von einer klaren „Jetzt erst recht“-Stimmung.

Anschließend setzte sich die Parade durch die Bocholter Innenstadt in Bewegung. Mit dabei waren zahlreiche Demonstrierende, Drag Queens, Musik und unser eigener großer Bocholt-Pride-Wagen, mit dem wir in diesem Jahr erstmals selbst bei der Parade vertreten waren.

Rund 700 Menschen machten sich gemeinsam auf den Weg zum Sankt-Georg-Platz und zeigten dort sichtbar: Queeres Leben gehört zu Bocholt und zwar mitten hinein in unsere Stadtgesellschaft.

Ein Fest der Vielfalt mitten in Bocholt

Auf dem Sankt-Georg-Platz ging die Parade nahtlos in unser „Fest der Vielfalt“ über. Dort wurden wir von vielen weiteren Menschen empfangen, die sich dem CSD anschlossen. Neben zahlreichen Infoständen erwartete die Besucher*innen ein abwechslungsreiches Bühnenprogramm mit Redebeiträgen, Musik, Drag Performances und einer Podiumsdiskussion.

Moderiert wurde das Bühnenprogramm von The only Naomy, bekannt aus „Drag Race Germany“ und „Drag Race UK vs. the World“, sowie Ludi, der 2021 das Halbfinale von DSDS erreichte.

Auch politisch war das Fest ein wichtiger Ort des Austauschs. In einer Videobotschaft richteten unser Schirmherr, NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst, und die Queerbeauftragte der Bundesregierung, Sophie Koch, Grußworte an die Teilnehmer*innen des CSD.

Für besondere Unterhaltung sorgten außerdem Drag Queens aus verschiedenen Teilen Deutschlands – von Berlin bis Frankfurt. Musikalische Beiträge und weitere Programmpunkte machten den Sankt-Georg-Platz zu einem Ort, an dem gemeinsam gefeiert, diskutiert und für queere Sichtbarkeit eingestanden wurde.

Vier klare Forderungen

Neben der Feier standen unsere politischen Forderungen im Mittelpunkt des Tages. Wir haben vier konkrete Anliegen formuliert:

  • Eine*n Queerbeauftragte*n in der Stadtverwaltung
  • Ein queeres Zentrum für Bocholt und die Region
  • Queere Bildung und den Schutz vor Queerfeindlichkeit verbindlich stärken
  • Sexuelle und geschlechtliche Identität ins Grundgesetz aufnehmen

Diese Forderungen sind für uns keine abstrakten politischen Themen. Sie betreffen ganz konkret das Leben queerer Menschen in Bocholt und darüber hinaus.

Ein Höhepunkt des Tages war deshalb die Podiumsdiskussion mit Vertreter*innen verschiedener Parteien. Gemeinsam wurde über queere Politik gesprochen und dabei insbesondere auch darüber, was auf kommunaler Ebene in Bocholt passieren muss.

Wir haben die Gelegenheit genutzt und den beteiligten Politiker*innen während der Diskussion einen offiziellen Antrag zur Anschubfinanzierung für ein queeres Zentrum in Bocholt übergeben. Damit wollen wir nicht nur über die Notwendigkeit eines solchen Ortes sprechen, sondern den nächsten Schritt gehen und konkrete Veränderungen anstoßen.

Gemeinsam sichtbar, gemeinsam stark

Unser zweiter CSD hat uns gezeigt, wie groß die Unterstützung für queere Sichtbarkeit und Akzeptanz in Bocholt ist. Viele Menschen haben sich auf den Weg gemacht, sich eingebracht, demonstriert, gefeiert und gemeinsam ein Zeichen gesetzt.

Möglich war dieser Tag nur durch das Zusammenspiel vieler Menschen. Die gesamte Planung und Organisation lag bei Bocholt Pride e.V. Finanziell getragen wurde der CSD vor allem durch unsere Sponsoren und Kooperationspartner. Am Veranstaltungstag selbst haben zahlreiche ehrenamtliche Helfer*innen dafür gesorgt, dass aus monatelanger Planung ein erfolgreicher CSD werden konnte.

Dafür sagen wir Danke an alle, die diesen Tag möglich gemacht haben, an alle, die mit uns demonstriert haben, und an alle, die sich jeden Tag für eine offene, vielfältige und solidarische Gesellschaft einsetzen.

Ein Wochenende voller Vielfalt

Der CSD begann für uns bereits am Freitagabend mit einem Get Together im Freudenhaus. Künstler*innen, Helfer*innen und Vereinsmitglieder kamen zusammen, um gemeinsam in das CSD-Wochenende zu starten.

Nach dem erfolgreichen CSD am Samstag fand das Wochenende schließlich mit der offiziellen Aftershowparty im Freudenhaus seinen Abschluss. Auch dort wurde noch einmal gemeinsam gefeiert und auf einen besonderen Tag zurückgeblickt.

Und jetzt erst recht: Wir machen weiter

Wir sind stolz auf das, was wir gemeinsam auf die Beine gestellt haben. Stolz auf die vielen Menschen, die trotz der Wetterprognosen gekommen sind. Stolz auf eine Parade, die mit vielen Menschen durch Bocholt gezogen ist. Stolz auf die vielen Gespräche, Begegnungen und politischen Impulse. Und stolz darauf, dass unser CSD immer mehr Menschen erreicht.

Gleichzeitig wissen wir: Ein CSD ist nicht nur ein Tag im Jahr. Sichtbarkeit, Akzeptanz und der Schutz queerer Menschen müssen jeden Tag gelebt und politisch verteidigt werden.

Deshalb gilt für uns mehr denn je:

Grenzenlos stolz – nie wieder still.

Und wir bleiben nicht stehen. Die Planungen für den 3. CSD in Bocholt am 21. August 2027 haben bereits begonnen.

Wir sehen uns wieder. 🏳️‍🌈