Das erste Juliwochenende 2026 stand ganz im Zeichen von Sichtbarkeit, Austausch und gelebter queerer Gemeinschaft. Bocholt Pride e.V. war am 4. und 5. Juli beim ColognePride in Köln vertreten und nahm an verschiedenen Programmpunkten teil. Zwischen politischem Austausch, Vernetzung mit anderen Organisationen und der großen Demonstration wurde deutlich, welche Bedeutung CSDs auch heute noch für die queere Community und die Gesellschaft insgesamt haben.
Politischer Austausch beim CSD-Empfang
Den Auftakt des Wochenendes bildete am Samstag, den 4. Juli, der offizielle CSD-Empfang im Maritim Hotel Köln. Eingeladen hatten das Queere Netzwerk NRW und die Aidshilfe NRW. Rund 900 Gäste aus Politik, Zivilgesellschaft, Medien und den queeren Communitys kamen zusammen, um gemeinsam über die aktuelle Situation queerer Menschen und die Bedeutung der CSD-Bewegung zu sprechen.
Für Bocholt Pride e.V. nahm der 1. Vorsitzende des Vereins am Empfang teil. Besonders deutlich wurde an diesem Abend, dass CSDs weit mehr sind als reine Veranstaltungen zum Feiern. Sie stehen für Sichtbarkeit, politische Teilhabe und den Einsatz für Menschenrechte und gesellschaftliche Vielfalt.
In ihren Redebeiträgen machten Laura Becker, Vorstandssprecherin des Queeren Netzwerks NRW, und Arne Kayser, Landesvorsitzender der Aidshilfe NRW, auf aktuelle Herausforderungen aufmerksam. Themen wie zunehmende Queerfeindlichkeit, Angriffe auf queere Einrichtungen und die Bedeutung einer starken demokratischen Zivilgesellschaft standen dabei im Mittelpunkt. Gleichzeitig wurde die Stärke der queeren Community betont, die sich seit Jahrzehnten für Gleichberechtigung und Akzeptanz einsetzt.
Ein besonderer Moment des Abends war die Verleihung der Kompassnadel 2026 an die CSD-Bewegung in Deutschland. Mit dieser Auszeichnung wurde die Bedeutung der Christopher Street Days für Sichtbarkeit, gesellschaftliche Veränderung und den Schutz queerer Menschen gewürdigt.
Begegnungen und Vernetzung beim Backstage-Treffen des ColognePride
Im Anschluss an den offiziellen Empfang ging es für Bocholt Pride e.V. weiter zum Backstage-Treffen des ColognePride hinter der Hauptbühne am Heumarkt. ColognePride ermöglicht dieses Treffen jedes Jahr und lädt dazu Mitglieder, Unterstützer*innen sowie Vertreter*innen verschiedener queerer Vereine ein. Auch im vergangenen Jahr war Bocholt Pride e.V. bereits bei diesem besonderen Austauschformat vertreten.
Abseits des großen Bühnenprogramms bot sich hier die Möglichkeit, in entspannter Atmosphäre Gespräche zu führen, Kontakte zu pflegen und sich mit anderen Aktiven aus der queeren Community auszutauschen. Gerade solche Begegnungen sind ein wichtiger Bestandteil der Vernetzung innerhalb der Community, da sie Raum für persönliche Gespräche und neue Impulse schaffen.
Ein besonderes Highlight war die Begegnung mit Candy Cockwell, die an diesem Wochenende Teil des Bühnenprogramms des ColognePride war. Im anschließenden Gespräch im Backstagebereich entstand eine besondere Verbindung, denn Candy Cockwell wird auch beim CSD in Bocholt am 22. August 2026 auftreten. Solche Begegnungen zeigen, wie eng die queere Community über Städte und Regionen hinweg miteinander verbunden ist und wie aus gemeinsamen Veranstaltungen neue Kontakte und Kooperationen entstehen können.
Ein starkes Zeichen bei der CSD-Demonstration
Am Sonntag ging es gemeinsam mit weiteren Mitgliedern von Bocholt Pride e.V. erneut nach Köln. Bereits die gemeinsame Anreise war von einer ausgelassenen und erwartungsvollen Stimmung geprägt und machte deutlich, wie sehr ein solches Ereignis Menschen zusammenbringt.
Vor Ort wurde die Demonstration des ColognePride vom Rand aus begleitet. Unter dem Motto „FÜR QUEERRECHTE – Viele. Gemeinsam. Stark!“ zog eine beeindruckende Menge durch Köln. Insgesamt wurde in diesem Jahr die Marke von 1,5 Millionen Teilnehmer*innen geknackt.
Besonders eindrucksvoll war die Atmosphäre während des gesamten Umzugs. Die zahlreichen Wagen, Gruppen und kreativen Beiträge zeigten die Vielfalt der queeren Community. Trotz der enormen Größe der Veranstaltung blieb die Demonstration friedlich, respektvoll und solidarisch. Für viele Beteiligte war spürbar, dass es nicht nur um ein gemeinsames Feiern ging, sondern auch um ein klares Zeichen für Vielfalt, Gleichberechtigung und demokratische Werte.
Gleichzeitig wurde deutlich, dass viele Teilnehmer*innen die aktuellen gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen mit Sorge betrachten. Die fröhliche und ausgelassene Stimmung verband sich mit einer kämpferischen Haltung und dem Bewusstsein, dass erreichte Rechte und Sichtbarkeit weiterhin geschützt und verteidigt werden müssen.
Während des Tages gab es außerdem die Gelegenheit zu einem Austausch mit einem Mitglied des Vereins „Wesel für Demokratie und Vielfalt“. Der Verein organisiert 2026 erstmals einen CSD in Wesel am 11. Juli. Bocholt Pride e.V. wird dort sowohl mit einer Fußgruppe als auch mit einem Informationsstand vertreten sein. Auch diese Begegnung zeigte erneut, wie wichtig die Zusammenarbeit und gegenseitige Unterstützung zwischen queeren Initiativen in der Region ist.
Gemeinsam stärker durch Vernetzung
Die Teilnahme am ColognePride-Wochenende war für Bocholt Pride e.V. vor allem eine wertvolle Gelegenheit zur Vernetzung, zum Austausch und zum Sammeln neuer Eindrücke. Große CSDs wie in Köln bieten nicht nur eine beeindruckende Plattform für Sichtbarkeit, sondern ermöglichen es auch, von anderen Organisationen zu lernen und neue Ideen für die eigene Arbeit mitzunehmen.
Die Begegnungen in Köln haben einmal mehr gezeigt, wie vielfältig, engagiert und solidarisch die queere Community in Nordrhein-Westfalen ist. Gleichzeitig wurde deutlich, dass CSDs wichtige Orte für Begegnung, politischen Austausch und gesellschaftliche Veränderung bleiben.
Die Eindrücke aus Köln werden sicher noch lange nachwirken und vielleicht auch die ein oder andere Inspiration für die zukünftige Arbeit in Bocholt liefern.

